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02.02.2012 | News
Klarer Wortbruch!

Landesregierung will Demografiegewinne aus dem Realschul-Haushaltskapitel streichen. Realschulen bleiben massiv benachteiligt.

Die Landesregierung beweist in diesen Tagen wieder eindrucksvoll, wie weit der hehre Anspruch und die harte Realität auseinanderklaffen. Die Leidtragenden sind wieder einmal die Lehrkräfte, insbesondere die an Realschulen.

Da gibt Schulministerin Sylvia Löhrmann die Fürsorgliche und kündigt eine Erhebung zur psychosozialen Belastung von Lehrerinnen und Lehrern an. Das klingt gut – man möchte ja, dass Lehrkräfte gesund die Regelaltersgrenze erreichen. Gleichzeitig schlägt die Landesregierung den Lehrerinnen und Lehrern mit dem vorläufigen Auslaufen der Altersteilzeit zum 31. Januar 2012 ein sinnvolles und bewährtes Instrument dazu aus der Hand. Ab dem 1. Februar 2012 können keine Anträge auf Altersteilzeit mehr gestellt werden. Eine Neuauflage der Altersteilzeit soll kommen – irgendwann und mit Sicherheit abgespeckt gegenüber der alten Regelung. "Wenn es die Landesregierung ernst damit meint, die Lehrkräfte zu entlasten, dann muss sie das nicht nur wortreich verkünden, sondern auch handeln. Das tut sie aber nicht. Besonders krass zeigt sich das im Haushaltsentwurf, der vor allem die Realschulen – wieder einmal – massiv benachteiligt", erklärt Brigitte Balbach, Vorsitzende von lehrer nrw. Eine Dreistigkeit ohnegleichen ist zum Beispiel die Streichung von 357 durch Demografiegewinne frei werdenden Stellen aus dem Realschul-Kapitel. Diese Stellen werden nun anderen Schulformen zugeschanzt. "Das ist ein glatter Wortbruch", betont Balbach.

Damit bleibt es dabei, dass Realschulen weiterhin unter der schlechtesten Schüler-Lehrer-Relation im Sekundarbereich leiden müssen. An den Realschulen kommen 20,94 Schüler auf eine Lehrerstelle (zum Vergleich: Gymnasien 19,88; Gesamtschulen 19,32; Hauptschulen 17,86). Dabei haben Realschul- und Hauptschul-Lehrkräfte eine Unterrichtsverpflichtung von 28 Wochenstunden, wobei die Klassenfrequenzrichtwerte an Realschulen bei 28 Schülern und an Hauptschulen bei 24 liegen. Lehrerinnen und Lehrer an Gymnasien und Gesamtschulen sind mit einer Unterrichtsverpflichtung von 25,5 Stunden deutlich im Vorteil.

"Auf die auch im Schulkonsens zugesagte Weiterentwicklung und Entlastung der Realschulen, zum Beispiel durch die angekündigte Absenkung der Klassenfrequenzrichtwerte, warten wir weiterhin – wahrscheinlich bis zum Sankt Nimmerleinstag", so Balbach. Frustrierend ist auch die Geringschätzung der Arbeit der Fachleiter, die sich ebenfalls im Haushaltsentwurf widerspiegelt. Die Fachleiter, zu deren Aufgaben z.B. die Ausbildung von Referendaren gehört, warten seit 30 (!) Jahren auf eine Erhöhung ihrer Zulage. Die werden die Fachleiter auch 2012 nicht bekommen – aber dafür eine Fülle neuer Aufgaben fürs gleiche Geld. Im Rahmen der Anhörungen zum Haushalt fordert lehrer nrw unter anderem:

■Gleiche Schüler-Lehrer-Relation im Sekundarbereich für alle Schulformen
■Gleiche Pflichtstundenzahl für alle Lehrkräfte im Sekundarbereich
■Schrittweise und gleichzeitige Absenkung der Klassenfrequenzrichtwerte für alle Schulformen
■Weiterführung der Altersteilzeit für alle Lehrkräfte
■Erhöhung der Fachleiterbesoldung "Die Landesregierung hat nun die Chance, wirklich etwas für die Lehrkräfte zu tun. Ein weiterer Fragebogen zur Lehrergesundheit hilft niemandem", sagt Balbach.

Quelle: bildungsklick.de


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